Materialien für die Formherstellung: Silikon, Alginat, Latex und mehr

Formenbau ist die Technik, die Form eines Originals zu erfassen, um es so oft wie nötig zu reproduzieren. Hier findest du alle Materialien dafür: Zinn- und Platinsilikone, Alginate, Latex, Polyurethankautschuke, Gips und Trennmittel. Jedes Material hat seinen idealen Anwendungsfall – diese Seite hilft dir, das am besten geeignete für dein Projekt auszuwählen.

Schalenform und Kopie einer Miniatur der Dama de Elche, hergestellt aus Silastic 3481 Silikon und weißem Polyurethanharz EasyFlo 120
Schalenform und Kopie einer Miniatur der „Dama de Elche", hergestellt aus Silastic 3481 Silikon und weißem Polyurethanharz EasyFlo 120

Silikon für Formen

Silikon ist das vielseitigste Formmaterial: Es erfasst feinste Details, benötigt auf den meisten Oberflächen kein Trennmittel und hält Hunderte von Abgüssen stand. Es gibt zwei Familien mit unterschiedlichen Eigenschaften:

Zinnsilikone (Kondensation)

Sie härten mit Luftfeuchtigkeit aus und sind kostengünstiger. Sie sind der ideale Einstieg für Einsteiger in den Formenbau. Sie lassen sich mit Marmor- oder Schieferfuller mischen und funktionieren gut mit Polyuretanharzen und Gips. Ihre wichtigste Einschränkung ist die Unverträglichkeit mit bestimmten Epoxidharzen.

Platinsilikone (Addition)

Sie härten ohne Nebenprodukte aus, was ihnen im Vergleich zu Zinnsilikonen eine höhere Maßgenauigkeit und Haltbarkeit verleiht. Sie sind die Wahl für lange Serien, Epoxidharze und Anwendungen, die transluzente Formen erfordern, um das Innere zu sehen. Wichtig: Sie reagieren empfindlich auf Inhibierung durch Kontakt mit bestimmten Materialien (Schwefel, Amine, metallisches Zinn).

Zinn oder Platin? Für den Einstieg reicht Zinnssilikon aus. Wenn du Serien von mehr als 50 Abgüssen planst, Epoxidharze verwendest oder eine Form brauchst, die jahrelang hält, wähle Platinsilikon.

Alginat für Körperformen

Alginat ist das einzige Formmaterial, das direkt auf Haut, Haare und Augen aufgetragen werden kann. Es ist der Standard in Spezialeffekten, Prothesen und Körperkunst. Es wird mit Wasser gemischt, bindet in wenigen Minuten ab und erfasst Mikrodetails wie Fingerabdrücke. Da es natürlich und biologisch abbaubar ist, hält die Form nur wenige Stunden und eignet sich daher für Einzelabgüsse oder sehr kurze Serien. Zum Ausgießen wird Gips oder Alabastergips verwendet.

Latex für Formen

Flüssiglatex wird schichtweise mit einem Pinsel auf das Original aufgetragen. Es ist die günstigste Methode für starre Originale mit einfacher Geometrie (Figuren, Flachreliefs, Dekorationselemente). Es erfordert Geduld – zwischen 8 und 15 Schichten sind erforderlich –, aber das Ergebnis ist eine sehr flexible und leicht zu entformende Form. Es ist nicht für die Haut geeignet.

Polyurethankautschuk für Formen

Polyurethankautschuke bieten eine höhere Reiß- und Abriebfestigkeit als Silikon, was sie besonders geeignet macht für Beton-, Gips- und Schleifmaterialformen sowie für industrielle Produktionsserien. Sie härten in wenigen Minuten aus, erfordern jedoch ein Trennmittel, um nicht am Original zu haften.

Gips für Formen und Gegenformen

Gips wird sowohl zum Ausgießen von Alginatformen als auch zur Herstellung der Gegenform (steife Schale, die die flexible Form hält) verwendet. Nicht alle Gipse sind gleich: Härte und Ausdehnungsverhalten beim Abbinden variieren enorm zwischen den verschiedenen Produkten. Für Gegenformen wähle harte Gipse; für Detailreproduktionen verwende hochdichte Gipse mit geringer Ausdehnung.

Trennmittel: unverzichtbar bei vielen Prozessen

Trennmittel verhindern, dass das Formmaterial am Original haftet (oder umgekehrt). Bei Silikon ist es nicht immer notwendig, aber bei Polyurethankautschuk ist es auf porösen Oberflächen unverzichtbar. Es gibt zwei Hauptfamilien: als Spray (bequemer für große Flächen) und flüssig (gleichmäßiger und kontrollierbarer).

Welches Material brauchst du? — Schnellauswahlhilfe

Formmaterial Am besten für Hauptvorteil Einschränkung
Zinnssilikon Einsteiger, Figuren, Flachreliefs, PU-Harze und Gips Kostengünstig, einfach zu verwenden Unverträglich mit manchen Epoxidharzen; kürzere Lebensdauer als Platin
Platinsilikon Lange Serien, Epoxidharze, maximale Präzision Hohe Haltbarkeit, null Schrumpfung Höhere Kosten; empfindlich gegenüber Inhibierung durch Schwefel und Amine
Alginat Körperformen (Hände, Gesicht, Füße) Das einzige für Haut geeignete Material; erfasst Mikrodetails Einwegform (hält nur wenige Stunden)
Latex Einfache Figuren, kleines Budget, kurze Serien Sehr kostengünstig, flexibel Langsame Auftragung (viele Schichten); nicht für Haut geeignet
Polyurethankautschuk Beton, Gips, Schleifmaterialien, industrielle Produktion Überlegene Reißfestigkeit, schnelle Aushärtung Erfordert Trennmittel; feuchtigkeitsempfindlich beim Mischen
Gips Gegenformen, Alginatabgüsse, kostengünstige Prototypen Sehr kostengünstig, starr, leicht zu verarbeiten Spröde; nicht flexibel; saugt Wasser auf

Häufige Fragen zum Formenbau

Was ist der Unterschied zwischen Zinnssilikon und Platinsilikon?

Zinnssilikon (Kondensation) härtet durch eine Reaktion mit der Luftfeuchtigkeit aus und gibt dabei ein kleines Nebenprodukt (Alkohol) ab, was zu einer leichten Schrumpfung führt und die Verwendung mit manchen Epoxidharzen einschränkt. Es ist kostengünstiger und perfekt für den Einstieg.

Platinsilikon (Addition) härtet ohne Nebenprodukte aus, was ihm eine höhere Maßgenauigkeit, bessere Reißfestigkeit und eine deutlich längere Formlebensdauer verleiht. Es ist die Wahl für lange Serien oder wenn du mit Epoxidharzen arbeitest. Sein einziger Kritikpunkt ist die Inhibierung: Bestimmte Materialien (schwefelhaltige Knetmasse, Cyanoacrylatkleber, bestimmte Lacke) können eine korrekte Aushärtung verhindern.

Kann Alginat direkt auf die Haut aufgetragen werden?

Ja, sofern du ein dafür formuliertes Alginat verwendest. Alga-Cast Slow und Alga-Cast Fast sind als hautsicher getestet. Ein Trennmittel ist nicht nötig – Alginat haftet von sich aus nicht an der Haut. Behaarung sollte jedoch mit Babyöl eingeölt werden, damit das Alginat beim Entformen nicht an den Haaren zieht.

Wie viele Latexschichten brauche ich für eine Form?

Das hängt von der Größe des Originals und dem geplanten Einsatz ab. Als allgemeine Orientierung: 8 bis 12 Schichten reichen für kleine und mittlere Stücke mit wenigen geplanten Abgüssen aus. Für größere Formen oder Produktionsserien werden 15–20 Schichten empfohlen. Jede Schicht muss vollständig trocken sein, bevor die nächste aufgetragen wird – normalerweise 30–60 Minuten zwischen den Schichten bei Raumtemperatur, mehr bei feuchter Umgebung. Die letzten 2–3 Schichten können mit Mullbinde verstärkt werden, um die Formstabilität zu verbessern.

Braucht man bei Silikon ein Trennmittel?

Das hängt vom Material des Originals und dem zu gießenden Material ab. Silikon haftet im Allgemeinen nicht auf den meisten nicht porösen Oberflächen (Kunststoff, Metall, Glas, behandeltes Holz), ohne dass ein Trennmittel benötigt wird. Du brauchst ein Trennmittel, wenn das Original porös ist (unbehandeltes Holz, Gips, Pappe), wenn du Silikon auf das Silikon der Form gießen möchtest, oder wenn das Original selbst aus Silikon besteht. Im Zweifelsfall schadet eine dünne Schicht Trennmittelspray nie.

Welchen Gips nehme ich für die Gegenform?

Für die Gegenform (die steife Schale, die die Silikonform hält) brauchst du einen harten Gips, der dem Druck der Abgüsse standhält. EXADURO ist die gängigste Wahl: Er kombiniert gute Festigkeit (1.300 kg/cm²) mit einer kontrollierten Ausdehnung beim Abbinden, was eine Verformung der Form verhindert. Für Gegenformen, die stark beansprucht werden oder engere Toleranzen erfordern, bietet Arquero 5.000 kg/cm² und minimale Ausdehnung.

Kann ich Polyurethankautschuk für Betonformen verwenden?

Ja, das ist tatsächlich eine der häufigsten Anwendungen. Polyurethankautschuke für Formen, wie der Poly 74-45, bieten eine Abrieb- und Reißfestigkeit, die sie ideal für Abgüsse aus Beton, Gips und gefüllten Materialien macht. Es ist unbedingt erforderlich, vor dem Eingießen des Kautschuks ein Trennmittel auf das Original aufzutragen und auch vor jedem Betonabguss auf die Form – frischer Beton kann haften, wenn dieser Schritt ausgelassen wird.

Was ist der Unterschied zwischen einer Blockform und einer Pinsel- oder Mantelform?

Bei einer Blockform wird das Original vollständig mit gegossenem Silikon oder Kautschuk in einem Behälter (Formkasten) umhüllt. Dies ist die einfachste Methode und gibt der Form mehr Körper, verbraucht aber deutlich mehr Material. Bei einer Pinsel- oder Mantelform wird das Material schichtweise mit einem Pinsel auf das Original aufgetragen, wodurch eine dünne „Haut" entsteht, die anschließend mit einer steifen Gegenform (Gips oder Glasfaser) verstärkt wird. Sie verbraucht weniger Material und ist die richtige Technik für große Stücke oder wenn das Original nicht in einen Kasten passt. Für Pinselformen wähle ein thixotropisches Material wie Polygel 35 – es läuft auf senkrechten Flächen nicht herunter.

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